Musica Mallorca - LiederabendZwei Gefühlswelten vereint
Von Iván Paley
Unser Abend mit deutschen Liedern von Schumann, Brahms und Mahler sowie Opernszenen von Mozart und Rossini bietet Ihnen ein außergewöhnliches, aber hoffentlich spannendes Programm. Wir fanden es sehr reizvoll, die Gefühle auf der Opernbühne und auf dem Konzertpodium, die doch eigentlich sehr ähnlich sind, einmal zu vereinen. So kombinieren wir die intime Liedwelt Schumanns mit Rossinis sprühender “Barbiere”-Musik, stellen mit den “Deutschen Volksliedern” von Brahms das Volkslied in seiner Urform neben Mozarts genial vertonte Da Ponte-Libretti und bringen schließlich noch Mahlers harmonisches Universum in unsere Auswahl.
Sie beginnt mit einem besonderen Liedzyklus, “Liebesfrühling”, denn dieser wurde von Schumann gemeinsam mit seiner Frau Clara komponiert. Nach der Heirat und dem produktiven Schaffensjahr 1840 hatte Schumann sich entschlossen, die große Pianistin Clara Schumann als Komponistin in ein gemeinsames Projekt einzubinden. Dieses war “Liebesfrühling” - ein Zyklus von zwölf Liedern auf Texte von Friedrich Rückert. Das erste Lied daraus - ein kurzes Stück von knapp einer Minute Dauer - nennt sich “Schön ist das Fest des Lenzes”. Hier finden sich beide Stimmen - Claras und Roberts - im Jubelton des nahenden Frühlings zusammen, um den Beginn der Liebe in einem wunderbaren Kanon zu feiern. Zwei weitere Lieder stammen aus dem Zyklus “Myrten” op. 25 - Schumanns Hochzeitsgeschenk für Clara Wieck, die er nach einer schwierigen und schmerzhaften Trennungsphase, ausgelöst durch den Einspruch ihres Vaters Friedrich Wieck, der die Verbindung seiner Tochter mit dem jungen Komponisten nicht akzeptieren wollte, 1840 endlich heiraten konnte. Die Sammlung ist ein faszinierendes und ergreifendes Zeugnis über die Kraft der Liebe, die selbst in schwierigsten persönlichen Situationen den Menschen ihren unerschütterlichen Glauben und die Hoffnung an den Sieg des Guten zu geben vermag.
Es folgt eine Auswahl aus den “Deutschen Volksliedern” von Brahms, die vor allem wegen ihrer Schlichtheit und Originalität beeindrucken. Einige der Lieder sind Originalvertonungen von Brahms, andere entstanden durch des Komponisten Bearbeitung von volkstümlichen Melodien. Eine Besetzung dieser Sammlung mit zwei Sängern bietet sich an, da es darin auch kleine Dialoge und Szenen zwischen Bub und Mädchen oder zwischen zwei Liebenden gibt, was wiederum die Parallele zur Oper herstellt. Dort sind die Gefühle und Konflikte nicht anders - nur daß sie vom Orchester begleitet werden .
Anders als bei Brahms, der erst spät mit dem Komponieren von Sinfonien begann, sind bei Mahler die Lieder eng mit seinem sinfonischen Schaffen verbunden. In ihrem thematischen Gefüge und den melodischen Strukturen hängen beide Genres eng zusammen. So sind in die 1. Sinfonie einige Themen aus Mahlers erstem Liedzyklus “Lieder eines fahrenden Gesellen” eingegangen. Die Musik der “Wunderhorn”-Lieder, aus denen wir heute abend fünf Titel ganz unterschiedlichen Charakters vorstellen, spiegelt sich sehr deutlich in den Sinfonien Nr. 2, 3 und 4 wider, die deshalb auch “Wunderhorn”-Sinfonien genannt werden. In seinen Sinfonien wollte Mahler alles erreichen, eine ganze Welt schaffen, die Natur erstehen lassen. Mahler beobachtete, sah und hörte Dinge in der Natur, bevor er sie in Musik setzte.
Im 2. Teil des Abends präsentieren wir Ihnen zunächst Musik von Mozart, darunter mit “Un moto di gioia” auch eine Rarität, handelt es sich bei diesem Stück doch um eine Alternativarie für Susannas “Giunse alfin il momento” im letzten Akt von “Le nozze di Figaro”, welche den Charakter der Figur sehr plastisch wiedergibt. Im Duett “Perchè, crudel fin'ora” aus dieser Oper - ein wunderbar harmonischer Zwiegesang - läßt sich des Grafen Zufriedenheit über Susannas vermeintliche Zusage zum Rendezvous im Garten hören. Die hübsche kleine Konzertarie unter dem Titel “Warnung” (“Männer suchen stets zu naschen”) wurde in die Edition Peters als Lied übernommen, zeigt also sehr deutlich den fließenden Übergang der beiden Genres. Zwei Ausschnitte aus “Don Giovanni” bringen dessen Canzonetta, im Original mit der ungemein delikaten Begleitung von Mandoline und Streichern, und sein schmachtendes Duett der Verführung mit Zerlina (“Là ci darem la mano”).
Schließlich hören Sie mit dem Duett “Dunque io son” aus Rossinis “Il barbiere di Siviglia” die exposiven Freudenkoloraturen von Rosina und Figaro - ein sprühender Ausklang in südlicher Sommernacht! |